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„Eigene Souveränitätsansprüche zurückstellen“

Vor rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörern legte Prof. Jean-Paul Couasnon aus Le Mans am Mittwoch im Twistringer Rathaus seine Sicht auf die europäische Einigung dar. Insbesondere die Jugend müsse besser an den europäischen Gedanken herangeführt werden.

Prof. Jean-Paul Couasnon, Präsident des „Maison de l’Europe Le Mans - Sarthe“ und ein „Veteran der deutsch-französischen Freundschaft“, motivierte seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit optimistischen Aussichten auf die weitere Entwicklung der Europäischen Union. Auch wenn es noch sehr viel zu tun gäbe auf dem Weg zu einem vereinigten Europa und trotz der derzeitigen Delle in der Entwicklung dieser Staatengemeinschaft, gäbe es keine andere Möglichkeit, um im „Wettbewerb der Kulturen“, z. B. mit Nordamerika, Asien, den islamischen Staaten erfolgreich zu sein. Europas Werte wie Freiheit, Frieden und Sicherheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind für alle Europäerinnen und Europäer attraktiv und fast schon selbstverständlich, motivieren aber auch Einwohnerinnen und Einwohner anderer Staaten, sich in dieses Staatengefüge einzubringen. Die, leider noch ungelösten, Flüchtlingsströme sprechen eine deutliche Sprache.

VortragEbenso ungelöst seien die Bereiche Steuern/Finanzen, Forschung und Entwicklung, Schul- und Universitätsausbildung, Sport sowie Verteidigung, für die eine gemeinsame Strategie gefunden werden muss. Insgesamt würde Europa oftmals als „Moloch Brüssel“ empfunden, was bei näherem Hinsehen allerdings obsolet sei. Der Anteil der Administration am Gesamtbudget sei unterproportional.

Couasnon empfahl eine dringende, spürbare Verbesserung der innereuropäischen Kommunikation, um die Ziele dieser Gemeinschaft immer wieder deutlich zu machen. Freie Grenzen seien nicht selbstverständlich. Dazu gehöre u. a. auch ein deutlicheres Engagement der Politik für Europa, teilweise zu Lasten eigener nationaler Interessen. Die Wahlen zum Europäischen Parlament müssen deutlicher präsentiert werden, die Abgeordneten ihre erfolgreiche Arbeit besser „verkaufen“.

Schließlich widmete er sich noch dem Thema Solidarität und unterstrich, dass das heutige Europa ein gelungener Versuch sei, eine Vielzahl von Staaten mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen auf freiwilliger Basis zusammen zu bringen und mittelfristig gemeinsam agieren zu lassen. Mit Geduld und Beharrlichkeit und der Bereitschaft, eigene Souveränitätsansprüche teilweise zurückzustellen, seien die Ziele aber erreichbar.

Prof. Couasnon versprach, seine regelmäßigen Besuche im Landkreis auch in Zukunft fortzusetzen. Besonders freut ihn die erfolgreiche Kooperation mehrerer Gemeinden aus dem Nordkreis mit ihren französischen Partnergemeinden.

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